Hühner halten – Artgerechte Unterbringung

Der Stall

Ein geeigneter Hühnerstall sollte unbedingt bereits vor der Anschaffung der Hühner bereitstehen.  Mit etwas handwerklichem Geschick kannst du den Stall einfach selbst bauen. Anderenfalls kannst Du einen fertigen Stall kaufen. Hier erfährst Du, worauf es bei Stall, Auslauf und Hühner halten ankommt:

Mobil oder stationär?

Wenn du nur einen kleinen Bereich deines Gartens fürs  Hühner halten nutzen möchtest, dann ist ein stationärer Stall ausreichend. Allerdings musst du dann auch damit rechnen, dass besonders während der Wintermonate kaum mehr Gras im Auslauf wachsen wird. Das permanente Scharren und Picken der Hühner setz dem Bewuchs stark zu. Ein mobiler Hühnerstall hingegen kann bei starker Beanspruchung des Rasens einfach an einen anderen Standort versetzt werden. In Kombination mit einem mobilen Geflügelzaun kannst du Deine Gartenfläche so optimal ausnutzen. Der natürliche Dünger und das Scharren wirken sich sogar positiv auf das Graswachstum aus. Wenn Du einen mobilen Hühnerstall planst, musst du unbedingt von Anfang an auf das Gewicht achten. Außerdem ist die Wahl geeignete Räder ebenfalls entscheidend für ein einfaches und komfortables Bewegen des Hühnerstalls. Kleine Rollen, die bei nassen Verhältnissen steckenbleiben sind ungeeignet. Bewährt haben sich Räder mit einem Durchmesser von mindestens 200mm oder ein leichter KFZ Anhänger (Bsp. 750kg Anhänger) als fahrbarer Untersatz.

Bauweise – Holz, Kunststoff oder Metall?

Auch bei der Wahl des Baumaterials scheiden sich die Geister. Vorab ist hier anzumerken, dass du auf jeden Fall früher oder später mit dem Thema Milben konfrontiert werden wirst. Diese blutsaugenden Parasiten schaden der Gesundheit der Hühner, reduzieren die Legeleistung und verursachen auch beim Halter einen Juckreiz bei Betreten des Stalls. Bereits bei der Planung Deines Stalls kannst du dem Problem jedoch effektiv entgegenwirken. Ein Holzbauweise ist dabei keinesfalls „milbenfreundlicher“ als eine Bauweise aus Stein oder Metall. Vielmehr kommt es auf folgende Faktoren an:

Oberflächenbeschaffenheit: vermeide rauche Oberflächen (Bsp. Presspanplatten). Je glatter desto besser.

Ritzen: vermeide Ritzen und andere Rückzugsmöglichkeiten. Bestenfalls sollten diese versiegelt werden (Silikon, Spachtelmasse o.ä.)

Temperatur: bei hohen Temperaturen vermehren sich Milben explosionsartig. Der Stall sollte gut durchlüftet sein

Hygiene: häufiges Reinigen reduziert den Milbenbefall. Achte darauf, dass Sitzstangen, Kotbretter und sonstige Stalleinrichtung zur Reinigung demontiert werden können

Jedes Material bietet außerdem Vor- und Nachteile hinsichtlich:

Kosten
Verarbeitbarkeit
ökologische Verträglichkeit
Hygiene
Isolationseigenschaften
Gewicht
Witterungsbeständigkeit

Holz wurde lange als hauptsächliches Baumaterial für Hühnerställe verwendet. Als nachwachsender Rohstoff ist es in der Regel ökologisch unbedenklich, kostengünstig und relativ einfach zu verarbeiten. Mit entsprechender Vorbehandlung des Holzes kann auch ein Holzstall problemlos mit Wasser gereinigt werden. Besonders bei doppelwandiger oder isolierter Bauweise solltest du unbedingt darauf achten, dass Fugen und Ecken im Stallinneren versiegelt werden. Am besten eignet sich hierzu Silikon, als weniger beständige Alternative kann auch Spachtelmasse verwendet werden. Ein regelmäßiges Kalken des Stallinnenraums reduziert ebenfalls den Milbenbefall.
Gemauert hält dein Hühnerstall für die Ewigkeit. Auch hinsichtlich Hygiene- und Isolationseigenschaften bietet diese Bauweise Vorteile. Allerdings musst du dafür auch etwas mehr Geld in die Hand nehmen und auf Mobilität verzichten.
Kunststoff kommt besonders bei Fertigställen im niedrigen Preissegment zum Einsatz. Hinsichtlich der Hygiene bietet auch Kunststoff Vorteile, allerdings ist dieser, verglichen mit anderen Materialien, weniger witterungsbeständig und für einen dauerhaften Einsatz im Freien nur bedingt geeignet. Meist sind drartige Ställe auch zu klein ausgelegt für eine artgerechte Hühnerhaltung.

Größe

Plane Deinen Hühnerstall am besten etwas größer als für den anfänglichen Hühnerbestand notwendig. Pro Huhn sollten etwa 0,25m² Stallfläche zur Verfügung stehen (vorausgesetzt die Tiere bekommen tagsüber permanent Freigang)

Isolation

Eine Isolation des Hühnerstalls ist nicht notwendig. Viel wichtiger ist ein verträgliches Stallklima. Eine hohe Luftfeuchtigkeit ist ebenso zu vermeiden wie starke Zugluft. Daher empfiehlt es sich eine regelbare Stallbelüftung vorzusehen, die in geregelten Intervallen Frischluft in den Stall befördert und gleichzeitig die Feuchtigkeit nach außen befördert. Auch hinsichtlich Milbenbefall kann eine Isolation schnell zum Problem werden, da sie den Schädlingen optimale Rückzugs- und Brutmöglichkeiten bietet.

Energieversorgung

Wenn die Möglichkeit besteht empfiehlt es sich sehr, einen 230V Stromanschluss im Hühnerstall vorzusehen. Stallbeleuchtung, Tränkeheizung im Winter oder eventuell eine Wärmelampe für die Kükenaufzucht benötigen Energie, die mit einer Batterie oder einem Photovoltaiksystem nur bedingt bereitgestellt werden kann. Mit einem fest installierten Stromanschluss hingegen musst Du Dir im Dauerbetrieb keinerlei Sorgen machen, dass etwa die Batterie zur Neige geht. Wenn Du trotzdem eine Photovoltaik Anlage betreiben möchtest dimensioniere diese ausreichend (mindestens 100W Modul). Wegen der starken Staubentwicklung im Hühnerstall sollten bei der Elektroinstallation ausschließlich feuchtraumtaugliche Komponenten verwendet werden.

Futterversorgung

Das Hühnerfutter kann wahlweise über eine Schale/Raufe oder mittels Futtersilo bereitgestellt werden. Wenn nur ein- zweimal pro Tag gefüttert wird besteht jedoch die Gefahr, dass rangniedrigere Tiere nur wenig Futter abbekommen. Ein Silo hingegen bietet den Vorteil, dass nach einmaligem auffüllen für mehrere Tage permanent Futter bereitsteht und auch schwächeren Tieren der Zugang gewährleistet wird. Die Hühner entnehmen beim Futtersilo Körner, Pellets oder Mehlfutter aus einer integrierten Raufe, wobei permanent neues Futter nachrutscht. Wichtig ist hierbei eine Einstellmöglichkeit des Behälters für unterschiedliche Futtergrößen um ein Überlaufen oder verstopfen der Futterzuführung zu vermeiden.
Die Fütterung der Hühner sollte nach Möglichkeit im Stall erfolgen. So können die Hühner vor allem während der empfohlenen Beleuchtungszeit bei Nacht permanent Futter aufnehmen. Zudem bleibt das Futter trocken und “Mitfresser” wie Nagetiere oder Wildvögel erreichen es Futter nicht so einfach.

Pro Henne musst Du mit etwa 120g Futter pro Tag rechnen

Ein Futtersilo reduziert den täglichen Zeitaufwand für die Fütterung und versorgt alle Tiere zuverlässig mit der richtigen Menge

Wasserversorgung

Wie bei allen Vogelarten ist auch bei Hühnern eine permanente und zuverlässige Versorgung mit frischem Trinkwasser sehr wichtig für die Gesundheit der Tiere. Es sollte hierzu unbedingt eine Tränke mit ausreichend dimensioniertem Vorratsbehälter zum Einsatz kommen. Ein offener Behälter (Schale, Topf o.ä.) ist für eine zuverlässige Versorgung ungeeignet und birgt dazu besonders im Sommer hygienische Risiken.
Sehr kostengünstig sind sogenannte Stülptränken aus Kunststoff, die in verschiedenen Größen erhältlich sind und auf einem Sockel stehend oder an der Decke hängend platziert werden. Stülptränken müssen jedoch täglich gereinigt werden, da die Hühner mit dem Schnabel permanent Schmutz in die Wasserschale einbringen und sich somit eine schleimige Schicht am Wasserbehälter bildet. Wenn die Tränke etwas schief steht ist es zudem schnell passiert, dass der gesamte Inhalt auf dem Stallboden landet.
Wesentlich zuverlässiger, hygienischer und auslaufsicherer sind dagegen Nippeltränken. Durch Antippen des Tränkenippels mit dem Schnabel wird Wasser in geringer Menge abgegeben und rinnt direkt in den Schnabel des Huhnes. Da kein Schmutz in das Wasser gelangt bleibt dieses sehr lange frisch und keimfrei.
Die Tränke sollte möglichst, vor direkter Sonneneinstrahlung geschützt, im Stallinneren platziert werden. Außerdem empfiehlt sich eine Heizung des Wassers für die Wintermonate um eine permanente Frostsicherheit zu gewährleisten.

ein Huhn benötigt zwischen 150 bis 350 ml Wasser pro Tag (im Sommer deutlich mehr als im Winter)

keimfreies Trinkwasser muss permanent und in ausreichender Menge zur Verfügung stehen

Sitzstangen

Bei Anbruch der Dunkelheit suchen Hühner sehr zuverlässig den Stall auf, manche etwas früher und manche auch mal etwas später. Die Nacht verbringen sie dann auf den optimalerweise etwas erhöht angebrachten Sitzstangen. Du wirst feststellen, dass sich ein Großteil des Hühnerkots direkt unter den Stangen ansammelt. Es empfiehlt sich daher, Kotbretter oder eine Kotschublade vorzusehen. So musst du den gesamten Stall nicht so oft ausmisten. Außerdem kann der Raum unter der Kotablage als zusätzliche Stallfläche genutzt werden. Wichtig ist außerdem die Form der Sitzstange. Runde Stangen sollten einen Mindestdurchmesser von 50 mm aufweisen. Noch besser eignen sich Kanthölzer mit Eckenfase.

verwende Kanthölzer mit 50 x 50 mm Querschnitt und einer 10 mm Fase an den oberen Kanten

Pro Huhn musst du mit etwa 25 cm Stangenlänge rechnen (kleine Rassen 20cm, große Rassen eher 30cm)

Der Abstand der Sitzstangen (zur Stallwand und zu Parallelstangen) sollten mindestens 30 cm betragen

Sitzstangen sollten auf gleicher Höhe angebracht werden um Streitigkeiten um die besten Plätze zu vermeiden

Die Stangen sollten zur Reinigung abnehmbar sein

 eine Kotablage reduziert den Reinigungsaufwand

Legenest

Damit Du die Eier Deiner Hühner nicht im ganzen Garten suchen musst, sollten komfortable Legenester zur Verfügung stehen. Nur wenn auch die Hühner diese für geeignet halten, werden sie die Eier dort zuverlässig ablegen. Bevorzugt werden abgedunkelte Nischen mit möglichst weichem Untergrund. Es gibt zweierlei Arten von Legenestern zum Hühner halten:
Einstreunester → Das Ei wird abgelegt und bleibt im Einstreu liegen. Besonders gut eignen sich Dinkelspelzen als Untergrund (schützendes Einsinken der Eier). Die Entnahme der Eier sollte täglich erfolgen.
Abrollnester → das Ei wird auf einem festen Untergrund abgelegt und rollt anschließend in einen Sammelbereich. Der Vorteil eines Abrollnest liegt darin, dass die Hühner die gelegten Eier nicht mehr beschädigen oder verschmutzen können. Eine mehrtägige Entnahme ist ausreichend.

Die Abmaße desjeweiligen Legenests sollten mindestens 30 x 30 cm betragen.

Um Milbenbefall vorzubeugen, sollten die Legenester leicht zu reinigen oder sogar abnehmbar sein.

Für bis zu 10 Hühner empfiehlt es sich zwei Legenester vorzusehen, darüber hinaus jeweils ein zusätzliches Nest pro 10 Hühner

Belüftung

Das passende Stallklima ist wichtig für die Gesundheit deiner Hühner. Über den Hühnerkot und das Gefieder bringen die Tiere besonders während der kalten Jahreszeit reichlich Feuchtigkeit in den Hühnerstall. Die Folge ist eine hohe Luftfeuchtigkeit und eine verstärkte Entwicklung von Ammoniakgasen im Stall, was zu Atemwegserkrankungen führen kann. Auch Erfrierungen, hauptsächlich am Kamm, sind bei sehr tiefen Temperaturen mit gleichzeitig hoher Luftfeuchtigkeit wahrscheinlicher.
Während der Sommermonate liegt das Problem weniger bei der Feuchtigkeit, sondern vielmehr bei Hitze und einer starken Staubentwicklung die es ebenfalls zu vermeiden gilt.
Generell sollte Zugluft im Hühnerstall vermieden werden, besonders während der kalten Jahreszeit. Optimal eignet sich daher eine regelbare Belüftung in Intervallen zum Hühner halten.

Eine gute Belüftung wirkt sich positiv auf die Gesundheit der Hühner aus

Zugluft sollte im Hühnerhaus unbedingt vermieden werden

Beleuchtung

Die Urform unserer heutigen Hühnerrassen ist nahe des Äquators heimisch. Stark ausgeprägte Jahreszeiten und Temperaturschwankungen, wie wir sie in Zentraleuropa gewohnt sind, gibt es dort nicht. Der Energiehaushalt stellt für Hühner dadurch eine größere Herausforderung dar, als für hier heimische Vogelarten. Hühner verfügen zudem über einen sehr schnellen Stoffwechsel, von der Nahrungsaufnahme bis zur Ausscheidung der Überreste Vergehen gerade einmal zwei bis drei Stunden. Besonders während der Wintermonate bleibt den Tieren bei Tageslicht wenig Zeit, um ausreichend Nahrung aufzunehmen. Lange, kalte Nächte sind dadurch kräftezehrend und wirken sich negativ auf Gesundheit und das Legeverhalten aus. Es empfiehlt sich also auch im Sinne der Gesundheit der Hühner, die Nachtdauer im Winter mit künstlichem Licht zu verkürzen.

eine konstante Nachtdauer von etwa 9h wirkt sich positiv auf die Gesundheit deiner Tiere aus

das Ein- und Ausschalten der Beleuchtung muss beim Hühner halten dimmend erfolgen

bewährt hat sich eine Beleuchtung in den Morgenstunden